Powerpoint-basierte eLearning Tools – Teil 2: Adobe Presenter 11.1

Dies ist Teil 2 einer Analyse von drei Powerpoint-basierten eLearning Tools:
Adobe Presenter 11.1, iSpring Suite 9 und Articulate Studio 360.
Als unabhängiger Berater habe ich das Vergnügen, alle drei Tools zu besitzen, und sie in verschiedenen Kundenprojekten genutzt zu haben.

 

Adobe Presenter 11.1: Mit Vorsicht zu genießen

Ich muss gestehen, dass ich eine Schwäche für Adobe Presenter habe. Ich arbeite damit seit 2005, als es noch das einzige eLearning-Tool war, das man ohne höheren Abschluss in Informatik bedienen konnte. Damals hieß es Macromedia Breeze. Und war Vorbild für die späteren Konkurrenzprodukte wie Articulate Presenter, iSpring Presenter und Lectora Snap.

Im Dezember 2005 hat Adobe Macromedia übernommen und damit auch Macromedia Breeze, Flash und einige andere namhafte Tools, darunter die Webinar-Funktion von Breeze (jetzt Adobe Connect) sowie Macromedia Dreamweaver (jetzt Adobe Dreamweaver). Diese große Vielfalt an Tools aus der Übernahme war der Grund dafür, dass Adobe Presenter kaum noch aktualisiert wurde. Adobe Presenter wurde daher in Sachen Leistungsmerkmale und Funktionalität bald von Articulate Presenter überholt.

Wozu diese Geschichtsstunde? Ich musste bei meinen Vergleichstests leider feststellen, dass Adobe den Adobe Presenter nach wie vor vernachlässigt und daher mein Test der Version 11 ziemlich enttäuschend ausfiel.

Timing ist alles?

Vielleicht ist ja der Zeitpunkt dieses Artikels für Adobe Presenter ungünstig gewählt, aber seit die Version 11 vor etwa 3 Jahren veröffentlicht wurde, gab es kein nennenswertes Update mehr. Gerechnet in Software-Zeit ist das eine sehr lange Zeit. In e-Learning-Software-Zeit ist es eine Ewigkeit. Und dieses Zeitproblem wird noch verschärft durch die Notwendigkeit, Flash durch HTML5 zu ersetzen.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Entwicklung von Adobe Presenter über die vergangenen Jahre:

  • 2005: Adobe übernimmt Macromedia. Aus Macromedia Breeze wird Adobe Presenter.
  • 2011: In meiner ersten genaueren Analyse von Adobe Presenter (in: Learning Solutions Magazine, September 2011), stellte ich fest, dass Adobe seit der Übernahme nur wenig in die Weiterentwicklung investiert hat.
  • 2013:  Version 9 von Adobe Presenter wird veröffentlicht – ein umfassendes Update – aber es hat viele Fehler, vor allem in den integrierten Interaktionen.
  • 2014: Version 10 von Adobe Presenter wird veröffentlicht. Dieses Update bereinigt viele Probleme der Version 9.
  • 2015: Version 11 von Adobe Presenter wird veröffentlicht. Sie unterstützt HTML5 (aber nur für Folienübergänge), enthält neue Personas sowie die Möglichkeit, für Adobe Captivate Prime zu veröffentlichen und noch einige andere kleinere Verbesserungen.

Presenter 11 befindet sich also offensichtlich in einer Entwicklungs-Flaute. Hoffentlich gibt es möglichst bald eine neue Version.

Denn derzeit muss man immer mit Problemen rechnen. Bei mir fingen sie bereits damit an, als ich eine PPT-Datei veröffentlichen wollte. Mit PowerPoint 2016 auf Windows 10 erhielt ich nach Klick auf “Publish” die folgende Meldung:

Mein erster Gedanke war: “Warum sollte ich den Flash Player aktualisieren, wenn niemand mehr Flash verwendet?

Trotzdem habe ich geklickt und musste zur Kenntnis nehmen, dass ich Flash gar nicht selbst aktualisieren konnte. Der Adobe Customer Support, den ich angerufen hatte, musste die Aktualisierung übernehmen. Dabei mussten sie auf meinem PC unter anderem ein MS Office Point Release über ein Befehlsfenster installieren. Das *IST SICHER NICHTS*, womit man alleine zurechtkommt!

Weiter mit der Testreihe

Adobe Presenter 11.1 beeindruckt nach wie vor durch die Fähigkeit, fast alle PowerPoint-Designfunktionen zu übernehmen, darunter Anminationen, Folienübergänge und Animationstrigger.

Dies ist extrem wichtig für Entwickler, die Wert auf einen kompletten und korrekten Inhalt legen. Denn diese haben keine Zeit für einen Haufen Korrekturen in letzter Minute, die durch einen Kampf mit dem E-Learning-Tool nötig werden.

Adobe Presenter kommt auch mit den Powerpoint-Aktionen klar. Dadurch könenn Entwickler schnell Inhalte verlinken, Programme ausführen oder Audio abspielen. Das zusätzliche Hyperlinking ermöglicht z.B. auch das Verlinken auf die zuletzt angesehene Folie, eins meiner liebsten Powerpoint-Features, das aber eher versteckt ist. Sehr nützlich ist diese Funktion, wenn man z.B. Zusatzinformationen an das Ende einer Lektion eingefügt hat und den Lernern ein schnelles Hin- und Her-Wechseln zwischen Hauptteil und Zusatzinformationen ermöglichen will.

Interaktionen

Adobe Presenter 11.1 hat 12 voreingestellte Interaktionstypen, die einen Entwickler-Neuling dabei unterstützen können, Interaktionen in die Lernmodule einzubauen und sie damit interessanter und attraktiver zu machen.

Die Interaktionen sind umfangreich ausgestattet, und enthalten auch die Möglichkeit, Farben und Schriftarten anzupassen. Wer eine davon beherrscht, wird keine Probleme mit den anderen haben. Die Oberfläche ist ein bisschen kompliziert, stellt aber kein größeres Problem dar.

Grundsätzlich sehen die Interaktionen in den veröffentlichten Modulen super aus. Allerdings beunruhigt die Warnung, die vor der Interaktions-Vorschau aufpoppt, dann doch etwas. Vor der Vorschau erscheint diese Warnung:

Das bedeutet wohl, dass mein PC hier noch irgendwelche Flash-Elemente in den Adobe Presenter Interaktionen entdeckt hat. (Und vielleicht ist das auch ein Grund für die Aufforderung zur Flash Player-Aktualisierung vor dem Veröffentlichen?) Allerdings gab es bei den veröffentlichten Modulen keinerlei Probleme, obwohl meine Tests ziemlich umfangreich waren.

Ich habe auch die Szenario-Interaktion getestet. Dies ist eine clevere Funktion, die mehrere Szenario-Folien einfügt mit Links zu weiteren Interaktions-Folien, je nachdem, welche Optionen die Lernenden wählen.

Quizze/Tests

Das Adobe Presenter Quiz Tool ist nicht ganz so mächtig wie das der anderen PowerPoint-basierten Tools. Aber es hat alle wichtigen Features und ich hatte keinerlei Probleme mit den veröffentlichten Modulen. Es gibt 9 Fragetypen, wobei die Drag & Drop-Frage einige Probleme machte, so dass man vielleicht von mindestens 8 Fragetypen sprechen sollte.

Alle einfachen Fragetypen funktionieren bestens. Allerdings gibt es einige Verbesserungsvorschläge, die auf der “Nice-to-have”-Liste stehen, darunter:

  • Folienansicht für kosmetische Optimierungen der Testfragen.
  • Verzweigungen zu weiteren Fragen, abhängig von den Antworten der Lernenden.
  • Verschiedene Extras, z.B. die Möglichkeit, den Fragen Audio, Video oder Bilder hinzuzufügen.

Zwar kann Adobe Presenter 11.1 nur ein Quiz pro Modul verwalten, das über Bestehen/Nichtbestehen entscheidet. Nützlich ist aber die Funktion, dass man die erreichte Punktzahl im Quiz mit der Anzahl der besuchten Seiten zu einer Lernerbewertung kombinieren kann. Ein schönes Feature wäre hier, wenn man das Testergebnis und die besuchten Seiten gewichten könnte, damit man etwas Nachsicht walten lassen kann gegenüber den Studenten, die zwar nicht die erforderliche Anzahl der Seiten aufgerufen, dafür aber ein exzellentes Testergbnis haben.

Zusammenfassung

Adobe Presenter 11.1 hat viele sehr brauchbare Features, aber auch einige Probleme, die den Entwicklern die Arbeit schwer machen. Und bei Lernern (dies ist vielleicht noch schwerwiegender), die aktuelle Betriebssysteme und Browser verwenden, kann es sein, dass die produzierten Lernmodule nicht richtig angezeigt werden.

Adobe Presenter 11.1.: Pro & Contra

Pro:

  • Konvertiert die meisten PowerPoint-Animationen und Folienübergänge.
  • Übernimmt PowerPoint-Trigger und Aktionen.
  • Mit $499 für eine Dauerlizenz oder $14.99 pro Monat im Abo kostet Adobe Presenter weniger als Articulate Studio oder iSping Suite.
  • Sehr guter Customer Support, einschließlich telefonischem Support ohne Aufpreis.

Contra:

  • Hat Funktionen, die Warnungen vor schädlichen Inhalten auslösen, wahrscheinlich verursacht durch Flash-Inhalte.
  • Das Veröffentlichen ist manchmal erst nach einer Aktualisierung des Flash-Players möglich.
  • Kein nennenswertes Upgrade seit 2015; womöglich ein Opfer von Vernachlässigung?
  • Funktionseinschränkungen beim Quiz/Test-Tool; eine Frageform hat überhaupt nicht funktioniert.

Wenn Sie E-Learning für Lerner innerhalb einer klar definierten Umgebung, mit bekannten Browsern und einer geringen Anzahl von Ausgabegeräten erstellt, kann Adobe Presenter das perfekte Tool sein. Aber wenn Sie Lektionen erstellen für Lerner mit vielen verschiedenen oder womöglich nicht bekannten Geräten – oder wenn Ihr Unternehmen strenge Vorschriften gegen die Verwendung von Flash hat, werden Sie wohl besser ein anderes Tool nutzen.

Autor: Mark Simon, M.Ed

Autor: Mark Simon, M.Ed

Der Artikel wurde von lern.link mit übersetzt. Das Original finden Sie hier…

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