Powerpoint-basierte eLearning Tools – Teil 3: Articulate Studio 360

Dies ist Teil 3 einer Analyse von drei Powerpoint-basierten eLearning Tools:
Articulate Studio 360, Adobe Presenter 11.1 und iSpring Suite 9.
Als unabhängiger Berater habe ich das Vergnügen, alle drei Tools zu besitzen, und sie in verschiedenen Kundenprojekten genutzt zu haben.

 

 

Articulate Studio 360: Auf den Zahn gefühlt

E-Learning-Designer laufen in Scharen zu Articulate, um sich die neuen Hochglanz-Anwendungen wie Storyline, Rise, etc. zu sichern. Allerdings ist Articulate Studio 360 immer noch eine pragmatische Business-Lösung für die superschnelle Erstellung von Microlearnings. Trotz seiner Nützlichkeit wird Studio 360 durch die Werbung für die anderen schillernden Tools in Articulate 360 überstrahlt.

Finden Sie nicht? Haben Sie in letzter Zeit im Web nach Articulate 360 gesucht?

 

Sie sehen, dass Studio 360 nur unter “eine ganze Reihe von weiteren Authoring Apps” fällt – und noch nicht einmal erwähnt wird neben Storyline und Rise.

Und auf der Webseite von Articulate 360 steht Studio 360 gerade mal an siebter Stelle in der Liste zu Articulate 360. Wie bitte? Sie sehen es nicht? Hier ist es doch, direkt unter Articulate Live. Oder sagen wir, es wird hier zu sehen sein – wenn Sie auf “More” geklickt haben.

OK, Ich denke, das sagt alles. Vernachlässigt oder nicht – schauen wir uns Studio 360 genauer an.

Allgemein

Studio 360 hat einige tolle neue Funktionen, aber es ist weitgehend dasselbe Tool wie Studio 13 und sogar wie Studio 9. Überblicksmäßig sind dies:

  • Articulate Review
    Eine beeindruckende cloud-basierte Review-App für den Feedback-Prozess durch Teams.
  • Charactere/Figuren
    Es gibt eine Datenbank mit einer Million Charaktere in unterschiedlichsten Posen. (Naja, vielleicht nicht wirklich eine Million, aber es gibt – WIRKLICH VIELE – und es kostet nichts extra, wenn man sie sehen und verwenden will.)
  • Content Library
    Zusätzlich zu den Charakteren beinhaltet Studio 360 zahlreiche Folien-Vorlagen für Kurse und Tests.
  • HTML5
    Alle Articulate 360-Tools ermöglichen die Ausgabe als reine HTML5-Pogramme. Responsiver Player: Die mit Studio 360 veröffentlichten Kurse passen sich nun an die verschiedenen Bildschirmgrößen und -ausrichtungen von Desktop-Bildschirmen, Tablets und Smartphones an.

Doch neben den neuen Funktionen gibt es auch Einiges, bei denen ich mir von Studio 360 Verbesserungen gegenüber der vorigen Version gewünscht hätte.

  • Animationen
    Es gibt zwar kein Tool, das für sich behaupten kann, sämtliche PowerPoint-Animationen zu übernehmen. Doch Studio 360 hinkt hierin der Konkurrenz immer noch hinterher.
  • Folienübergänge
    Hier gilt das Gleiche wie für die Animationen.
  • Animations-Trigger
    Studio 360 kann die Trigger nicht übernehmen. Damit entfällt eine wertvolle PowerPoint-Funktion für interaktiven Lerninhalt.

Eine wichtige Änderung betrifft das Preismodell für Studio 360, das sich gegenüber früheren Versionen geändert hat. Das neue Abo-Modell kostet $999 pro Jahr. Das ist erheblich teurer als Adobe Presenter oder iSpring Suite. Selbstverständlich bekommt man für die $999 auch Articulate Storyline und eine “Reihe von” anderen Tools – aber wer alle Funktionen von Studio 360 haben will, muss diesen Preis voll zahlen.

 

Interaktionen

Engage 360 ist die neueste Version des langjährigen Articulate-Tools für das Erstellen von Interaktionen. Engage kam erstmals 2006 auf den Markt als ein innovatives, Flash-basiertes Tool mit Vorbildcharakter. Und für Wettbewerber war es harte Arbeit hier nachzuziehen. Es stellt einen wesentlichen Bestandteil von Studio 360 dar. Trotzdem wurde es über die letzten Jahre kaum verbessert.

Es gibt viele (20) Vorlagen in Engage 360. Zwei davon habe ich eingehend geprüft: Timeline and Conversation. Beide waren sehr einfach in der Bedienung und die Interaktionen waren sehr schnell erstellt. Mit Timeline erstellte ich mehrere Events innerhalb einer Periode. Jedes Event erschien als anklickbarer Kreis auf dem Zeitstrahl.

Insgesamt hat Timeline gut funktioniert, aber ich war enttäuscht, dass die Kreise auf dem Zeitstrahl nicht mit jeweils gleichem Abstand verteilt waren (siehe Screenshot unten), und ich sie mit Klicken und Ziehen manuell anordnen musste, damit sie in etwa den gleichen Abstand hatten. Außerdem ist Engage beim Aufruf immer noch sehr langsam, was darauf hin deutet, dass sich der Programmkern kaum verändert hat.

 

Die Interaktion “Conversation” war ebenfalls sehr einfach in der Anwendung. Erfreulicherweise konnte ich für ein Rollenspiel mit mehr als zwei Leuten tatsächlich zusätzliche Charaktere hinzufügen.

Manche Leute kritisieren, dass die Interaktionen in Engage eingeschränkt sind und nur eine begrenzte Funktionalität haben. Ich würde allerdings argumentieren, dass ein wenig Interaktivität immer noch besser ist als keine. Und Engage erleichtert es auf jeden Fall Ihre Kurse int eraktiver zu machen. Über die Möglichkeiten des Gesprächsverlaufs war ich etwas enttäuscht, denn es gab keine Verzweigungsmöglichkeit und der Zusammenfassungstext konnte nur am Ende des Gesprächs eingefügt werden. Allerdings wird ein guter Instructional Designer einen Weg finden, damit das klappt.

Der wichtigere Ansatz aber wäre, dass Studio 360 mit der Fähigkeit, die PowerPoint Animations-Trigger zu übernehmen, mehr und bessere Möglichkeiten bei den Interaktionen hätte. Dies würde Autoren erlauben, “free-form”-Interaktionen zu erstellen – und Engage könnte immer dann eingesetzt werden, wenn seine Funktionen ausreichend sind.

 

Quizze/Tests

Studio 360 verfügt über einen sehr robustes Quiz-Tool (QuizMaker 360) und hat neuerdings weitere beeindruckende Möglichkeiten. Für Ihre Multiple-Choice-Fragen, Ergebnis-Folien und anderes können Sie aus einer Anzahl von professionell gestalteten Layouts wählen. Man kann beliebig viele verschiedene Layouts für jede Quiz-Frage verwenden und man kann das Design jeder Quizfrage individuell anpasssen, wenn man in der Folienansicht arbeitet.

 

Wie bisher hat man in der Folien-Ansicht auch viele free-form-Funktionen für das Fragen-Layout, genauso wie bei normalen PowerPoint-Folien. Hilfreich ist auch, dass man die zahlreichen Charaktere von Studio 360 übernehmen kann. Und außerdem weitere Bilder, Audios oder Videos einfügen kann.

Es gibt 11 Fragetypen, zu denen man individuelle Feedbacks mit beliebig viel Text und multimedialen Elementen erstellen kann. Zusätzlich kann man, abhängig von Falsch- oder Richtig-Antwort, zu jeder anderen Frage verzweigen.

Den einzigen Minuspunkt für dieses stabile Assessment-Tool gibt es beim Publizieren, denn hier kann man für die Bewertung, ob der Lerner die Kursinhalte verstanden hat, nur eine Gesamtpunktzahl nutzen. Dies kann zum Problem werden bei längeren E-Learning-Lektionen, bei denen es mehrere Wissenstests gibt. Wenn Sie aber ein LMS haben, dass mehrere kleinere Lektionen zu einem Kurs oder Lernplan kombinieren kann, werden Sie eine Lösung für diesen Mangel finden.

Publishing

Eins der großen Fortschritte von Studio 360 war, die HTML5-Ausgabe aufzumöbeln, und es war auch das erste PPT-basierte Tool, das mutig die Ausgabe in reines HTML5 angeboten hat. Es gibt auch einen responsiven Player, was bedeutet, dass sich die Anzeige an das Bildschirmformat und die Ausrichtung eines mobilen Geräts anpasst. Und natürlich sind die HTML5-Ausgabe und das responsive Design entscheidende Funktionen in einer Welt, wo beinahe alle Unternehmen ihren Leuten erlauben, mehrere Geräte zu nutzen.

Studio 360 enthält auch die Option für die Ausgabe in Articulate Review. Dies ist eine cloudbasierte Web-App, in der die Kurse mit einem leicht anzuwendenden Kommentarfeld auf der rechten Seite dargestellt werden. Das ist sicherlich eins der “OH WOW!”-Funktionen von Studio 360 und eine gewaltige Hilfe für alle, die mit vielköpfigen Reviewteams arbeiten.

Dies sind sämtliche Ausgabeoptionen:

  • Articulate Review
  • Web
  • Articulate Online
  • LMS
  • CD
  • MS Word

Die Publishing-Funktion von Studio 360 hat ihre größte Schwäche bei Grafiken. Diese werden irgendwie zufällig manchmal nicht klar und deutlich angezeigt. Studio hatte Probleme mit mehreren Grafiken in meinen PowerPoint Folien, die aber von Adobe Presenter und iSpring aufs Schönste angezeigt wurden. Hier kommt ein Beispiel. Aus irgendeinem Grund wird ein dunkelblaues Bild nach derm Publishing durch Studio 360 zu einem hellgrauen Bild. Und es gab ähnliche Ergebnisse auch bei anderen Grafiken. What you see (in PowerPoint) ist manchmal not what you get (in einem veröffentlichten Kurs)!

 

Charactere/Figuren

Hier noch eine kleine, läppische Sache, die ich aber gerne erwähnen möchte. Studio 360 ist das einzige PPT-Tool das ein Menü zum Editieren der Charaktere hat. Ja und? werden Sie jetzt sagen.
Erstens spart es Zeit. Wenn ich die Pose oder den Gesichtsausdruck einer Figur ändern möchte (was ich oft tue!), muss ich nicht von ganz vorne anfangen. Meine Figur ist bereits ausgewählt und ich muss nur noch eine neue Pose oder Mimik wählen.
Zweitens ist es schlau. Hut ab vor dem Articulate-Entwickler, der an seine Zielgruppe denkt!

Zusammenfassung

Studio 360 hat einige sehr nützliche neue Funktionen, die daher kommen, dass es im Paket mit vielen anderen Articulate 360 Tools kommt. Aber die Kernfunktionen des Tools sind größtenteils gleichgeblieben verglichen mit Studio 13 and Studio 09. Werfen wir einen Blick auf die Vor- und Nachteile von Studio 360:

Pro:

  • Articulate Review ist wahrlich eine tolle Neuerung, das die gemeinsame Entwicklung unendlich einfacher macht.
  • Viele, viele Charaktere zur Auswahl – und die Figuren sind in allen Funktionen von Studio 360 sehr gut integriert.
  • Professionell gestaltete Layouts für Folien und Quizze ermöglichen es auch dem grafisch weniger talentierten Entwickler, schicken Content zu produzieren.
  • Die Articulate Community leistet Hilfestellung von der Problemlösung bis zu professionell gestalteten Vorlagen.
  • Ein responsiver Player ist besonders nützlich für Lernende, die die Kurse über verschiedene Geräte aufrufen.

Contra:

  • Konvertiert einige PowerPoint-Animationen und Folienübergänge nicht.
  • Funktioniert nicht mit PowerPoint Trigger-Animationen.
  • Probleme mit der Ausgabe-Qualität zwingt den Anwender zeitweise, Grafiken nachzuarbeiten.
  • Es gibt keine unbefristete Lizenz. Das Jahres-Abonnement kostet $999, was erheblich mehr ist im Vergleich zu Adobe Presenter and iSpring Suite.
  • Es ist nicht das Hauptprodukt für Articulate und scheint dort irgendwie in Vergessenheit zu geraten. Die Zukunft dieses Produkts könnte gefährdet sein.

Wenn Sie das beste Powerpoint-basierte E-Learning Tool suchen, ist Studio 360 wahrscheinlich nicht die erste Wahl. Allerdings sollten Sie überlegen, ob Sie womöglich ein modernes eLearning Entwcklungs-Tool wie beispielsweise Storyline benötigen oder ein Webdesign-Tool wie Rise. Beide (und weitere) kommen im Paket mit Studio 360. Sie haben die Wahl!

 

Autor: Mark Simon, M.Ed

Autor: Mark Simon, M.Ed

Der Artikel wurde von lern.link übersetzt. Das Orginal finden Sie hier…

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