Was hat Andragogik mit E-Learning zu tun?

18. Jun 2016 | KnowHow

Lernen für Erwachsene: Prinzipien und die Anwendung auf E-Learning

Das Andragogische Modell – Wer, Was und Wieso

Wir kennen alle das Wort Pädagogik, welches sich auf Lernen ausgelegt für Kinder und Jugendliche bezieht. Was ist nun aber der Begriff für das Unterrichten von Erwachsenen? -Andragogik.

In den Vordergrund der Lerntheorie gebracht durch Malcolm Knowles, ist Andragogik der Term zur Beschreibung von Lernen bzw. Unterricht für Erwachsene. Dieses Lernmodell unterscheidet sich von der Pädagogik dadurch, dass es von anderen Grundsätzen geregelt wird, welche auch wie geschaffen sind für E-learning.

Die Etymologie des Wortes selbst aber reicht viel weiter zurück als zu Malcolm Knowles, es zum ersten Mal wird der Begriff 1833 vom deutschen Pädagogen Alexander Kapp benutzt und ist eigentlich nur eine Ableitung des altgriechischen Wortes für „Kind leitend“ – Pädagogik.

WER war Malcolm Knowles?

Malcolm Knowles war ein amerikanischer Pädagoge (1913 – 1997) welcher das Konzept der Andragogik aufnahm und Grundsätze dafür etablierte.

WAS ist Andragogik, gemäß Knowles?

„Die Andragogik nimmt an, dass ein Mensch von dem Zeitpunkt von psychologischer Sicht aus ein Erwachsener ist, an dem er ein Selbstkonzept von essentieller Eigenverantwortlichkeit erreicht. Etwas Entscheidendes geschieht zu diesem Zeitpunkt; das Individuum entwickelt das tiefe psychologische Bedürfnis von anderen als eigenverantwortlich wahrgenommen zu werden. Deshalb erfährt er, wenn er sich in einer Situation widerfindet, in welcher dies nicht erlaubt ist, eine Spannung zwischen dieser und seinem Selbstbild. Seine Reaktion ist zwingend durch Feindseligkeit und Wiederstand verdorben.“ (Frei nach: http://www.learningandteaching.info/learning/knowlesa.htm)

Die essenziellen Punkte von Knowles Andragogik-Prinzipien sind:

Selbstkonzept und Lernmotivation

Ein Erwachsener, wie oben beschrieben, ist sich seines Selbstbildes bewusst (?) und will das andere dies auch so wahrnehmen. Deshalb findet er oder sie die Motivation, welche für autonomes Lernen von Nöten ist. Anders als ein Kind, welchem manchmal nachgeholfen werden muss, damit es den Wert des Lernens versteht, sieht ein Erwachsener diesen von sich aus.

Erfahrung

Ein Erwachsener hat einen Reichtum an persönlichen und beruflichen Erfahrungen – gute sowie schlechte – von denen er beim Lernen schöpfen kann und um eine mentale Kulisse zu kreieren, welche es einfacher macht neue Informationen zu vorhandenem Wissen hinzuzufügen.

Bereitschaft:

Wenn einem Erwachsenen gezeigt wird, welchen Wert E-Learning besitzt und wie es sich auf deren Karriere und Wissen auswirken kann, wird dieser bereit und gewillt sein sich zu engagieren.

Orientierung:

Wo von Kindern eine Langzeitanwendung von Wissen gefordert wird (Schreiben/Lesen/Mathematik), hat ein Erwachsener Lernvorgaben die viel spezifischer und spontaner sind, wie der Fokus auf ein bestimmtes Problem oder eine Wissenslücke.

WIESO ist das wichtig für E-Learning?

Eigenverantwortlichkeit ist ein wichtiger Punkt der Andragogik und von besonderer Bedeutung für E-Learning. Die Voraussetzung für E-Learning ist ja, dass ein gewisses Maß an Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit vorhanden ist, um wirksam zu sein.

Andragogik setzt ebenso voraus, dass Erwachsene am Prozess der Erstellung und der Auswertung ihrer Lernmöglichkeiten beteiligt sind. Per Definition sollte E-Learning also die Teilnehmer im Erstellen des Materials beteiligen, dem Teilen von Mitteln und Wissen, ebenso bei der Evaluation und allen anderen Vorgängen rings um die Lernsituation.

Knowles erwähnte speziell wie andragogische Prinzipien auf E-Learning angewandt sind – obwohl er zu dieser Zeit (1984) von ‚Personal Computer Training‘ sprach. Die Prinzipien sind aber weitgehend dieselben wie die relevanten E-Learning-Aspekte:

  1. Es muss erklärt werden, weshalb einem Dinge beigebracht werden
  2. Instruktionen sollten eher aufgabenorientiert als routinemäßig sein und sollten im Kontext von normalen Aufgaben formuliert sein
  3. Der Unterricht sollte die verschiedenen Hintergründe und Erfahrungen der Schüler berücksichtigen und auf dieser Grundlage ausgelegt sein, dass verschiedene Menschen verschiedene viel Erfahrung zu einem Thema besitzen.
  4. Es sollte Lernenden erlaubt sein, Dinge selbst zu entdecken, wobei der Lehrer falls erforderlich Hilfestellung leisten sollte.

(Quelle: http://www.instructionaldesign.org/theories/andragogy.html)

Diese vier Aspekte sind der Kern von E-Learning und jeder, der Erwachsenen in einem elektronischen oder mobilen Umfeld etwas beibringt sollte sich ihrer bewusst sein und ist bestimmt auch schon darauf gestoßen.

Und heute?

Welche Aspekte würden Sie nach über 30 Jahren e-Learning ergänzen?


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